Petra Olschowksi: Walter Stöhrer Preis für Grafik, Galerie Friese, Stuttgart, 2014

ZU DEN ARBEITEN VON FABIAN TREIBER

 

[…]Spricht man von einem Preis für Grafik, so stellen die Arbeiten von Fabian Treiber sicher die größte Überraschung im Rahmen der Ausstellung dar. Und würde man bei den traditionellen Spartenbezeichnungen bleiben wollen, so müsste man wohl sagen, dass Fabian Treiber ein Maler ist – wie Walter Stöhrer eben auch ein Maler war. Und doch sind grafische, zeichnerische Elemente immer wieder immanenter Teil dieser Malerei. Nimmt man den Titel der hier gezeigten Wandinstallation „Tracks“ wörtlich: einer Malerei, die einer Spurensuche gleicht.Fabian Treiber präsentiert die Platten, auf denen er malt, zeichnet oder im besten Sinn: arbeitet, also Hochdichtfaserplatten, Holzplatten und Pappen beispielsweise, nicht in Rahmen oder an Nägeln hängend, sondern an die Wand gelehnt und auf modularen Winkelsystemen oder direkt auf dem Boden stehend. Diese Art der Präsentation, die die einzelne Arbeit zu einer Art Objekt und darüber hinaus zum Teil einer Gesamtinstallation werden lässt, ist typisch für ihn. Und über das System der Präsentation wird schnell klar, dass auch der Betrachter dadurch in eine andere Rolle versetzt wird, dass er zum Partner wird, der Arbeiten versetzen, austauschen, in der Holzkiste verstauen oder aus ihr heraus neu präsentieren kann.

Insofern folgt auch seine Arbeitsmethode auf den Platten, Papieren – kurz: auf den unterschiedlichsten Materialien – einem dialogischen Prinzip. Farbe wird beispielsweise aufgetragen, abgeschliffen, übermalt, mit Papieren scherenschnittartig überzogen, die später wieder abgenommen werden, dabei ihre Silhouette zurücklassen. Zufälligkeiten, wie Craquelé-Risse, die Farbschichten nach eigenen Gesetzen aufbrechen, werden zugelassen und aufgegriffen. Ähnlich ist der Umgang mit Lineaturen und Schnitten in Pressspanresten, die Fabian Treiber findet. Oft sind deren Ränder brüchig, wirken die Platten wie Fragmente – und doch steht das einzelne Teil schließlich für ein Ganzes. Es sind diese Pressspan-Arbeiten, die aufgrund der meist linear geprägten Komposition möglicherweise am ehesten in die Kategorie der Grafik passen, weil sie an Zeichnung denken lassen. Aber spielt das letztlich eine Rolle? Welche der in die Oberfläche geschnittenen Linien geplant und welche bereits da waren – weil etwas, das drauf stand, möglicherweise einen Abdruck hinterlassen hat – kann der Betrachter nicht mehr nachvollziehen. Fabian Treiber nimmt diese Spuren als wahrlich bruchstückhafte Berichte, die von der Geschichte dieser Objekte erzählen können, und führt sie weiter.[…]

Auszug aus der Rede von Petra Olschowski vom 16.12.2014. Die Rede wurde anlässlich der Ausstellungseröffnung der Preisträger in der Galerie Friese in Stuttgart gehalten.

 

Ausstellungsansicht „Tracks“ 2014

Galerie Klaus Gerrit Friese, Stuttgart

Preisträger Präsentation

Foto: Fabian Treiber